Essen tut weh, die Schleimhaut ist gerötet, an Wange oder Zunge sitzen brennende Stellen: Eine Stomatitis ist eine Entzündung der Mundschleimhaut – und der Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Krankheitsbilder. Manche heilen in einer Woche von allein, andere weisen auf eine Grunderkrankung hin oder gehören sofort behandelt.

Dieser Beitrag erklärt, was Stomatitis ist, welche Symptome typisch sind, welche Formen unterschieden werden – von der Mundfäule bei Kindern bis zur Prothesenstomatitis – und welche Behandlung jeweils sinnvoll ist.

Was ist eine Stomatitis?

Der Begriff setzt sich aus dem griechischen stoma für „Mund" und der Endung -itis für „Entzündung" zusammen. Stomatitis bezeichnet also wörtlich die Entzündung im Mund, genauer: die Entzündung der Mundschleimhaut.

Diese Schleimhaut kleidet Wangen, Lippeninnenseiten, Gaumen, Mundboden und Zungenunterseite aus. Sie erneuert sich schneller als fast jedes andere Gewebe des Körpers – was sie widerstandsfähig macht, sie aber auch empfindlich gegenüber Störungen der Zellteilung macht, etwa bei Chemotherapie oder ausgeprägtem Nährstoffmangel.

Je nach betroffenem Bereich werden Unterformen benannt: Gingivitis am Zahnfleisch, Glossitis an der Zunge, Cheilitis an den Lippen. Sind Zahnfleisch und Mundschleimhaut gemeinsam betroffen, spricht man von einer Gingivostomatitis.

Symptome: Woran Sie eine Mundentzündung erkennen

Die Symptome einer Stomatitis sind unabhängig von der Ursache recht ähnlich:

  • gerötete, geschwollene, empfindliche Schleimhaut
  • Brennen oder Schmerzen, die beim Essen und Trinken zunehmen – besonders bei Saurem, Salzigem und Scharfem
  • Aphthen, Bläschen, Erosionen oder flächige Beläge
  • vermehrter Speichelfluss oder umgekehrt ein trockenes Mundgefühl
  • schlechter Geschmack und Mundgeruch
  • Zahnfleischbluten
  • bei ausgedehnten Formen: geschwollene Lymphknoten am Hals, Fieber, Abgeschlagenheit

Bei Kindern zeigt sich die Entzündung oft indirekt: Sie verweigern Essen und Trinken, speicheln stark und sind quengelig. Die Gefahr besteht dann weniger in der Entzündung selbst als in einer beginnenden Austrocknung.

Ist nur eine Stelle betroffen – etwa die Lippe innen entzündet –, steckt häufig eine mechanische Ursache dahinter: eine scharfe Füllungskante, eine Druckstelle der Prothese oder ein Biss auf die Wange.

Die wichtigsten Formen

Stomatitis aphthosa (Mundfäule)

Die Stomatitis aphthosa, auch Stomatitis herpetica, Gingivostomatitis herpetica oder umgangssprachlich Mundfäule genannt, ist die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1. Sie trifft überwiegend Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr, kommt aber auch bei Erwachsenen vor, die als Kind keinen Kontakt hatten.

Typisch sind hohes Fieber, ein stark geröteter, geschwollener und leicht blutender Zahnfleischsaum, zahlreiche schmerzhafte Bläschen und Erosionen im ganzen Mund, starker Speichelfluss, deutlicher Mundgeruch und geschwollene Halslymphknoten. Die Erkrankung dauert etwa sieben bis vierzehn Tage und heilt narbenlos ab. Das Virus verbleibt anschließend lebenslang im Körper und kann später als Lippenherpes wieder auftreten.

Mundfäule bei Erwachsenen verläuft oft schwerer als bei Kindern und rechtfertigt eher eine frühe antivirale Therapie.

Prothesenstomatitis

Die Prothesenstomatitis betrifft die Schleimhaut unter einer herausnehmbaren Zahnprothese, meist am Gaumen. Symptome der Prothesenstomatitis sind eine scharf auf das Prothesenlager begrenzte Rötung, ein Brennen und manchmal ein pelziges Gefühl – Schmerzen fehlen häufig völlig, weshalb sie lange unbemerkt bleibt.

Ursachen sind fast immer eine Kombination aus mangelhafter Prothesenhygiene, einem Hefepilzbefall mit Candida albicans, nächtlichem Durchtragen der Prothese und einem schlecht sitzenden Prothesenlager.

Die Behandlung besteht aus konsequenter Reinigung, nächtlicher Prothesenkarenz, einer antimykotischen Therapie und der Korrektur oder Neuanfertigung der Prothese. Wer die Prothesenstomatitis dauerhaft loswerden möchte, sollte auch über eine implantatgetragene Lösung sprechen: Ein Zahnimplantat trägt die Versorgung über den Kieferknochen statt über die Schleimhaut und entlastet das Prothesenlager deutlich.

Candida-Stomatitis (Mundsoor)

Weißliche, abwischbare Beläge auf geröteter Schleimhaut, oft mit Brennen und Geschmacksstörungen. Begünstigt durch Antibiotika, Kortison-Sprays, Diabetes, Mundtrockenheit, Prothesen und ein geschwächtes Immunsystem.

Aphthöse Stomatitis (rezidivierende Aphthen)

Wiederkehrende, rundliche Geschwüre mit weißlichem Grund und rotem Saum. Sie sind nicht ansteckend, sehr schmerzhaft und heilen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Auslöser können Stress, Verletzungen, hormonelle Schwankungen, Nahrungsmittel oder ein Mangel an Eisen, Folsäure oder Vitamin B12 sein.

Weitere Formen

Dazu zählen die Kontaktstomatitis (Reaktion auf Zahnpasta-Inhaltsstoffe, Materialien oder Nahrungsmittel), die Strahlen- und Chemotherapie-bedingte Mukositis, die nikotinbedingte Gaumenveränderung sowie Mundschleimhautveränderungen im Rahmen von Systemerkrankungen.

Ursachen einer Stomatitis

Die Ursachen der Stomatitis lassen sich in fünf Gruppen ordnen:

GruppeBeispiele
InfektionenHerpes-simplex-Viren, Candida-Pilze, Bakterien
Mechanik und Chemiescharfe Zahnkanten, Prothesendruck, Zahnspangen, heiße Speisen, Zahnpasta-Inhaltsstoffe
MangelzuständeEisen, Folsäure, Vitamin B12, Zink
SystemerkrankungenDiabetes, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Immunschwäche
Medikamente und TherapienAntibiotika, Kortison-Inhalatoren, Chemotherapie, Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich

Ganz erheblich beteiligt ist außerdem die Mundhygiene: Zahnbelag unterhält eine dauerhafte Entzündungsbereitschaft der Schleimhaut. Auch Rauchen und Alkohol schwächen die Schleimhautbarriere messbar.

Behandlung: Was gegen die Entzündung im Mund hilft

Die Behandlung der Stomatitis richtet sich nach der Ursache. Vier Bausteine kommen fast immer zusammen:

Ursache beseitigen. Scharfe Kanten glätten, Prothese anpassen, auslösende Zahnpasta wechseln, Mangelzustand ausgleichen, Grunderkrankung behandeln.

Gezielte Medikamente. Antimykotika bei Candida, Virostatika bei ausgeprägter Herpes-Erstinfektion – bei Kindern möglichst innerhalb der ersten drei Tage –, entzündungshemmende Gele oder kortisonhaltige Haftsalben bei Aphthen.

Schmerz lindern und Heilung unterstützen. Lokalanästhetische Gele vor den Mahlzeiten, antiseptische oder pflanzliche Spülungen (Salbei, Kamille), kühle, weiche, milde Kost. Zu meiden sind Saures, Salziges, Scharfes, Sprudel und Alkohol.

Ausreichend trinken. Besonders bei Kindern ist das der entscheidende Punkt. Kühle Getränke, Wasser, milde Tees; bei starken Schmerzen mit dem Strohhalm oder als gefrorene Portion.

Die Mundhygiene sollte trotz Schmerzen fortgeführt werden – mit einer sehr weichen Bürste. Wer die Zähne meidet, verschlimmert die Entzündung über die Bakterienlast.

Wann Sie ärztlich abklären lassen sollten

  • Beschwerden, die länger als zwei Wochen bestehen
  • eine einzelne Stelle, die sich nicht verändert oder verhärtet anfühlt
  • hohes Fieber, ausgeprägte Schluckbeschwerden oder Atembeschwerden
  • Kinder, die Trinken verweigern, oder Zeichen von Austrocknung
  • immer wiederkehrende Entzündungen ohne erkennbaren Auslöser
  • Beschwerden unter Chemotherapie, Bestrahlung oder Immunsuppression

Der wichtigste Punkt: Eine Schleimhautveränderung, die nach zwei bis drei Wochen nicht abgeheilt ist, muss zahnärztlich oder ärztlich beurteilt werden – Mundschleimhautkrebs kann im Frühstadium einer harmlosen Entzündung ähneln.

Vorbeugen

Gründliche tägliche Mundhygiene einschließlich der Zahnzwischenräume, regelmäßige Kontrolltermine, saubere und passende Prothesen mit nächtlicher Trageperiode, Ausspülen des Mundes nach Kortison-Sprays, ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Tabak und ein maßvoller Alkoholkonsum senken das Risiko deutlich. Bei bekannter Neigung zu Aphthen lohnt es sich, Auslöser über einige Wochen zu notieren.

Häufige Fragen

Was ist Stomatitis?

Stomatitis ist der medizinische Begriff für eine Entzündung der Mundschleimhaut. Der Name kommt vom griechischen stoma (Mund) und der Endung -itis (Entzündung). Ursachen können Infektionen, mechanische Reize, Mangelzustände, Medikamente oder Grunderkrankungen sein.

Welche Symptome hat eine Stomatitis?

Typisch sind gerötete und geschwollene Schleimhaut, Brennen oder Schmerzen beim Essen, Bläschen oder Aphthen, vermehrter Speichelfluss, Mundgeruch und manchmal geschwollene Lymphknoten oder Fieber.

Ist Stomatitis ansteckend?

Das hängt von der Form ab. Die durch Herpesviren ausgelöste Mundfäule ist hoch ansteckend, ebenso eine Candida-Infektion bei geschwächten Personen. Aphthen und mechanisch bedingte Entzündungen sind nicht ansteckend.

Wie lange dauert eine Stomatitis?

Aphthen heilen meist in ein bis zwei Wochen, eine Mundfäule dauert etwa sieben bis vierzehn Tage. Eine Prothesenstomatitis bleibt bestehen, solange die Ursache nicht behoben ist.

Was hilft schnell gegen eine Mundentzündung?

Kühle, weiche Kost, viel trinken, antiseptische oder pflanzliche Spülungen und bei Bedarf ein lokalanästhetisches Gel vor dem Essen. Die eigentliche Heilung setzt erst ein, wenn die Ursache beseitigt ist.

Was ist Mundfäule und wer bekommt sie?

Mundfäule ist die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, meist bei Kleinkindern zwischen ein und drei Jahren. Sie geht mit Fieber, stark entzündetem Zahnfleisch und vielen schmerzhaften Bläschen einher. Erwachsene können sie ebenfalls bekommen, oft mit schwererem Verlauf.

Woran erkenne ich eine Prothesenstomatitis?

An einer scharf auf das Prothesenlager begrenzten Rötung, meist am Gaumen, oft ohne Schmerzen. Auslöser sind in der Regel unzureichende Prothesenhygiene, ein Pilzbefall und nächtliches Tragen der Prothese.

Kann eine Stomatitis von selbst weggehen?

Viele Formen heilen spontan ab, etwa Aphthen oder eine Mundfäule. Bestehen die Beschwerden aber länger als zwei Wochen oder kehren sie regelmäßig zurück, gehört die Ursache abgeklärt.

Fachlich geprüft: Dieser Beitrag ist vor Veröffentlichung von einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt aus dem Netzwerk der Leading Implant Centers gegenzulesen und mit Name, Fachtitel und Prüfdatum zu kennzeichnen.

Quellen

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