Das Wort “Osseointegration” gehört nicht unbedingt zu unserem allgemeinen Sprachgebrauch und nur wenige werden es kennen, die sich bereits einer komplexen kieferchirurgischen Behandlung unterzogen haben. Es ist dennoch ratsam, sich dieses Wort einzuprägen - erstmals verwendet vom schwedischen Forscher und Orthopäden Per-Ingvar Branemark um 1966 - um zu erfahren, was sich dahinter verbirgt.

Wie oft leitet sich der Begriff aus dem Lateinischen ab. “Os” ist der Knochen und “integrare” bedeutet einbinden. Damit ist die stabile Verankerung des Implantats im Knochen bzw. die Verbindung zwischen Knochengewebe und der Oberfläche eines belasteten Knochenimplantats, gemeint. Osseointegration ist weniger eine Verfahrenstechnik der Implantologie, sondern ein (positives) Ergebnis eines Heilungsprozesses am Kieferknochen, wobei das Implantat mit dem Knochen verwächst und damit die bestmögliche Stabilität erreicht.

Eine Osseointegration kann somit das künstliche Zahnimplantat stärken, Nebenwirkungen minimieren und Infektionsrisiken verringern. Verwachsen Implantate mit dem (vitalen) Eigenknochen, verschwindet auch das Gefühl eines Fremdkörpers im Mund. Die Osseointegration stärkt auch die benachbarten Zähne, sorgt für eine bessere Stabilität und dämmt Entzündungen ein. Die Verwachsung direkt mit dem Knochen ist wichtig, um Abstoßreaktionen gering zu halten (das Weichteil-Gewebe ist viel anfälliger). Ein so genanntes osseointegriertes Implantat ist somit unbeweglich, lässt sich besser reinigen und pflegen und wird sogar auf dem Röntgenaufnahmen als solches erkannt.

Das Implantat ist nach Einsatz und entsprechendem Heilungsprozess so stabil, dass auch wieder feste Lebensmittel gekaut werden können und der Betroffene seine Mundhygiene via Zahnseide problemlos durchführen kann.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Osseointegration (die Erfolgsquote liegt bei über 85%) ist

  • die Verwendung eines passgenauen Implantats und
  • gleichzeitig eine ausreichende Stabilität des Implantats im Knochen
  • eine sorgfältige, sterile und temperaturneutrale Bohrung des Knochens
  • uneingeschränkte Blutzirkulation und
  • sauberes Einsetzen des Fremdkörpers im Mundraum

Der Betroffene sollte seine Zähne und das Implantat etwa zwei bis sechs Wochen nach Eingriff schonen und ruhigstellen. Außerdem gehört eine umfangreiche Mundhygiene durch den Patienten dazu. Eine Nachsorgeuntersuchung ist dringend empfohlen und kann Aufschluss geben, ob eine Osseintegration geglückt ist. Meist werden Titan-Implantate (als Schraubimplantate) oder Keramikimplantate verwendet und direkt mit dem Knochen verbunden.




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