Berichte über Quoten für Implantate schockieren

Es kursieren Berichte über bereits wieder geschlossene Zahnarztketten aus den Ländern Frankreich und Spanien. Sie dokumentieren teils unethische Praktiken und zeigen den Druck, der auf Zahnärzten lastet: Bestimmte klinische Ziele - wie beispielsweise eine Quote für eingesetzte Implantate - müssen erreicht werden. Dokumentiert sind außerdem verschiedene Gerichtsverfahren, die deutlich das bei den Patienten verursachte Leid zeigen. Fehlerhafte Behandlungen kamen nicht nur einmal vor.

Problem betrifft viele Länder

Aber nicht nur in Spanien und Frankreich sind Zahnärzte in großen Dentalunternehmen angestellt. In Finnland beträgt der Markanteil der Dentalunternehmen bezogen auf die Anzahl der Zahnärzte ganze 35 %, in Spanien sind es nur 25 % und in Großbritannien 24 %. Es handelt sich dabei um sogenannte Private-Equity-Gesellschaften, die den Dentalmarkt als eine Investitionsmöglichkeit entdeckt haben. Einzelpraxen und kleinere Gruppenpraxen werden aufgekauft, daraus entstehen in einzelnen Ländern Ketten. Die Unternehmen expandieren und eröffnen in der Folge in vielen Ländern der EU eigene Praxen.

Wirtschaftsunternehmen haben Profit im Sinn

Die Rede ist von bis zu 1.000 beschäftigten Zahnärzten je Gesellschaft. Problematisch ist dabei nicht, dass die Zahnärzte angestellt sind, sondern dass die Gesellschaften auf Rendite ausgerichtet sind. Das Hauptinteresse besteht nicht unbedingt in erster Linie darin, eine hochwertige Versorgung der zahnmedizinischen Patienten zu gewährleisten. Fachfremde Führungskräfte sorgen dafür, dass die Gesellschaften sehr profitabel bleiben. Dass das nicht gut geht, sieht man in Frankreich: Der Gründer der Gesellschaft Dentexia, Pascal Steichen, sitzt seit November 2018 in Untersuchungshaft. 3.000 von Detexia geschädigte Patienten warten auf finanzielle Unterstützung, Dentexia ist pleite.

Risikoreich für Patienten

Die europäische Organisation der Zahnärzte CED kritisiert, dass die Behandlungsentscheidungen innerhalb der erwähnten Unternehmen und Ketten nicht im Sinne des Patienten, sondern auf der Grundlage profitorientierter Erwägungen getroffen werden. Oft genug sind Personen daran beteiligt, die keine zahnmedizinischen Qualifikationen besitzen. Dass vor allem in Ketten organisierte zahnmedizinischen Unternehmen keine gute Versorgung gewährleisten können, wurde in Spanien 2017 schon deutlich: Bei einer Untersuchung aller bei spanischen Zahnarzt-Verbänden eingegangenen Beschwerden kam zutage, dass die Hälfte der zwischen 2013 und 2015 eingegangenen Beschwerden auf Dentalketten entfiel. In diesem Zeitraum machten die Ketten nur 4 % der Zahnarztpraxen in Spanien aus.

Marketingkampagnen, die mit Preisnachlässen für unnötige Behandlungen werben, sind für die Patienten fatal. Denn erstens sind die Preise dennoch überhöht, zweitens sind unnötige medizinische Eingriffe ethisch nicht vertretbar und drittens bleiben die Patienten mit abgebrochenen Eingriffen zurück, wenn die Ketten zwangsgeschlossen werden.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Für die angestellten Zahnärzte ist die Lage nicht minder unangenehm. 12-Stunden-Schichten mit schlechterer Bezahlung und der teilweise Überschreitung vorgeschriebener arbeitsfreien Zeiten belasten die Ärzte, die unter dem herrschenden Druck keine hochwertige Arbeit leisten können. Letzten Endes kommt das auch für das Gesundheitssystem teuer, denn die Fehlleistungen an den Patienten müssen irgendwie aufgefangen werden.