Die Parodontologie ist die zahnmedizinische Lehre vom Zahnhalteapparat. Sie behandelt vornehmlich die Parodontitis, eine Entzündung dieses Zahnhalteapparates, die am Ende auch Zahnverlust bedeuten kann.

Übersicht dieses Artikels

Was ist eine Parodontitis?

Was ist eine Parodontitis?

Die Parodontitis (im Volksmund als Parodontose bezeichnet) wird vor allem durch festhaftenden Zahnbelag (Plaque) verursacht. Darin sitzen gefährliche Bakterienkeime, welche erst am äußeren Zahnfleischrand, dann immer weiter fortschreitend Entzündungen (bakterielle Zahnfleischentzündung) auslösen. Infolge der chronischen Entzündung des Zahnfleisches zieht sich dieses langsam zurück. Zuerst liegen die Zahnhälse frei, später wird sogar der Kieferknochen mit dem im Zahnfach enthaltenen Zahnhalteapparat angegriffen. Tragisch daran ist, dass die Zerstörung des Zahnfleisches und der Knochensubstanz durch die Wirkung des eigene Immunsystems ausgelöst wird. Um die Bakterien zu bekämpfen, werden Enzyme und Abwehrstoffe freigesetzt, die ebenso das körpereigene Gewebe angreifen und auflösen.

Von den etwa 500 in unserer Mundhöhle beheimateten Bakterienspezies sind allerdings nur fünf als wirklich aggressive Parodontitis-Keime identifiziert worden. Diese sind jedoch auch zum Leben unter Sauerstoffabschluss imstande, weshalb sie tief in den Zahnfleischtaschen optimale Wachstumsbedingungen finden.

Der beste Schutz vor Parodontose sind strenge Mundhygiene, Rauchverzicht und Vermeidung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder lange Zeit unbehandelten Kariesherden. Interessant ist darüber hinaus, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzerkrankungengibt. Die Parodontitis-Keime werden über den Blutweg (beim Zahnfleischbluten) aus dem Mundraum ins Herz verschleppt und können sich dort z.B. im Bereich der Herzklappen ansiedeln. Das Gleiche scheint auch für die bakterielle Besiedlung von Gelenken zu gelten, wodurch schließlich Arthritis ausgelöst wird.

Was macht ein Parodontologe?

Was macht ein Parodontologe?

Der Parodontologe diagnostiziert die Parodontitis mithilfe von Parodontalsonden sowie über Röntgenaufnahmen, welche bei einer Parodontitis einen deutlichen Knochenrückgang erkennen lassen. Danach wird der Parodontologe versuchen, den Mundraum zu sanieren, die Parodontitisherde zu beseitigen und einem Wiederauftreten der Erkrankung durch geeignete Mundhygiene vorzubeugen.

Wie wird Parodontitis behandelt?

Eine Behandlung der Parodontitis ist je nach Erkrankungsgrad eine langwierige Maßnahme. Zuerst werden die Zahnbeläge und Zahnsteinbildungen entfernt. Nach der Spülung und Sanierung der Zahnfleischtaschen muss das Zahnfleisch beruhigt und die Entzündung beseitigt werden. In schweren Fällen erfolgt die Sanierung mithilfe von Antibiotika. Nach einer tiefgreifenden professionellen Zahnreinigung erhält der Patient in der Regel eine Schulung, wie er/sie seine/ihre Mundhygiene nachhaltig verbessern kann. Damit soll sichergestellt werden, dass es zu keiner Reinfektion kommt. Je nach Schweregrad kann es bereits zu Schäden am Kieferknochen gekommen sein, der neu aufgebaut werden muss (Augmentation, Knochenaufbau). Auch verlorene Zähne können erst dann wieder mittels Implantat ersetzt werden.

Parodontitis als Kontraindikation für Implantate

Parodontitis als Kontraindikation für Implantate

Eine aktive Parodontitis ist ein Ausschlusskriterium für den Knochenaufbau und das Implantat. In beiden Fällen können während des chirurgischen Eingriffs Keime verschleppt werden, die dann im Herzen oder in den Gelenken zu Folgeerkrankungen, wie z. B. Herzversagen oder Arthritis führen können. Darüber hinaus kann es zu einer Infektion tiefergelegener Zahnabschnitte sowie der Zahnwurzel kommen, was schließlich im Verlust des Zahnes resultieren würde. Deshalb gilt: Immer erst die Parodontitis behandeln und sanieren, erst danach Knochen wiederaufbauen und gegebenenfalls Implantate einsetzen. Ihr Parodontologe berät Sie sehr gern hierzu weiter.