Ein kleiner dunkler Fleck auf der Zahnoberfläche, ein kurzes Ziehen beim Genuss von Süßem oder Kaltem – oft sind es unscheinbare Zeichen, hinter denen sich Karies verbirgt. Als Erkrankung der Zähne gehört Karies weltweit zu den häufigsten überhaupt und ist die Hauptursache für Zahnschmerzen und Zahnverlust. Sie betrifft bleibende Zähne ebenso wie Milchzähne und tritt besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen auf, kann aber in jedem Alter neue Zähne befallen. Das Tückische: Im Anfangsstadium verläuft sie meist ohne Symptome und bleibt daher lange unbehandelt. Wird sie früh entdeckt, lässt sie sich schonend stoppen. Hier erfahren Sie, wie die Entstehung von Karies abläuft, welche Stadien sie durchläuft und wie Sie Ihre Zahnsubstanz dauerhaft schützen.
Was ist Karies?
Karies (lateinisch *caries*, „Fäulnis") ist eine bakteriell verursachte Erkrankung der Zähne, genauer der harten Zahnsubstanz. Bestimmte Kariesbakterien im Zahnbelag verstoffwechseln Zucker aus der Nahrung und bilden dabei Säure. Diese Säure löst nach und nach Mineralstoffe aus dem Zahnschmelz – der Zahn wird entkalkt (demineralisiert) und schrittweise geschädigt. Schreitet dieser Prozess fort, entsteht zunächst ein kleines Loch in der Zahnoberfläche, das sich unbehandelt immer tiefer in den Zahn frisst.
Man spricht auch von „Zahnfäule" oder umgangssprachlich vom „Loch im Zahn". Entscheidend ist das Zusammenspiel dreier Faktoren: Bakterien im Zahnbelag (Plaque), Zucker als deren Nahrung und Zeit. Je länger die Säure einwirken kann und je seltener sie durch Speichel und Mundhygiene neutralisiert wird, desto höher ist das Kariesrisiko. Sind einmal mehrere Zähne betroffen, spricht das meist für eine dauerhaft ungünstige Kombination aus zuckerreicher Ernährung und lückenhafter Mundhygiene.
Welche Stadien von Karies gibt es?
Karies entwickelt sich nicht plötzlich, sondern in Stufen – von der ersten Entkalkung bis zur Entzündung des Zahnnervs. Je früher sie erkannt wird, desto einfacher ist die Behandlung.
Anfangsstadium: die „white spot"-Läsion
Ganz am Anfang zeigt sich Karies als kreidig-weißer, matter Fleck auf dem Zahnschmelz – die sogenannte „white spot"-Läsion. Solche Flecken auf den Zähnen entstehen, weil die Säure dem Schmelz bereits Mineralien entzogen hat; die Zahnoberfläche ist aber noch geschlossen und nicht eingebrochen. In diesem Stadium der Karies ist die initiale Läsion noch umkehrbar: Mit Fluorid lässt sich der Schmelz remineralisieren, ein Bohren ist nicht nötig.
Schmelzkaries
Bleibt die Entkalkung bestehen, bricht die Zahnoberfläche ein und die Karies dringt in den Zahnschmelz vor. Diese Schmelzkaries verursacht meist noch keine Beschwerden, weil der Schmelz keine Nerven enthält. Oft wird sie nur vom Zahnarzt oder auf dem Röntgenbild entdeckt.
Dentinkaries
Hat die Karies den Schmelz durchdrungen, erreicht sie das darunterliegende Zahnbein (Dentin). Das Dentin ist weicher als der Schmelz, sodass sich die Karies nun schneller ausbreitet und die Zahnsubstanz rascher schädigt. Jetzt treten häufig erste Symptome auf: Der Zahn reagiert empfindlich auf Süßes, Saures, Kaltes oder Heißes. Besonders an den Kauflächen der Backenzähne kann die Karies unter einer scheinbar intakten Oberfläche in die Tiefe wachsen.
Tiefe Karies bis zum Nerv
Erreicht die fortgeschrittene Karies das Zahnmark (die Pulpa) mit Nerv und Blutgefäßen, spricht man von tiefer Karies. Die Kariesbakterien können den Nerv entzünden – es kommt zu anhaltenden, oft pochenden Zahnschmerzen. In diesem Stadium ist die Zahnsubstanz bereits stark zerstört, und eine Wurzelentzündung droht. Bleibt Karies unbehandelt, kann der betroffene Zahn in diesem Stadium verloren gehen.
Ursachen: Wie entsteht Karies?
Die Entstehung von Karies ist das Ergebnis eines gestörten Gleichgewichts im Mund. Vier Faktoren wirken zusammen:
- Bakterien: Im Zahnbelag siedeln Kariesbakterien wie *Streptococcus mutans*. Sie bilden einen klebrigen Film (Plaque) auf der Zahnoberfläche.
- Zucker: Die Bakterien im Zahnbelag ernähren sich von Zucker und anderen Kohlenhydraten aus der Nahrung.
- Säure: Beim Abbau des Zuckers entsteht Säure, die den Zahnschmelz entkalkt und angreift.
- Zeit: Je länger und häufiger die Säure einwirkt, desto mehr Mineralien verliert der Zahn.
Vereinfacht gilt also die Kette: Bakterien + Zucker → Säure → Angriff auf den Zahnschmelz. Nach jedem Verzehr zuckerhaltiger Speisen sinkt der pH-Wert im Mund, und der Schmelz verliert Mineralien. Der Speichel wirkt dem entgegen, indem er die Säure neutralisiert und Mineralien zurückführt. Wird jedoch häufig genascht oder werden gesüßte Getränke über den Tag verteilt getrunken, hat der Speichel keine Chance, das Gleichgewicht wiederherzustellen – Karies entsteht. Das Kariesrisiko steigt zusätzlich durch mangelnde Mundhygiene, dicke Zahnbelag-Schichten, wenig Speichel (etwa bei Mundtrockenheit) sowie durch tiefe Rillen (Fissuren) und schwer erreichbare Zahnzwischenräume. Gerade Fissuren auf den Kauflächen der Backenzähne sind schwer zu reinigen und werden daher besonders leicht von Karies befallen.
Symptome & Diagnose: Wie merkt man Karies?
Im Anfangsstadium verläuft Karies fast immer schmerzlos und wird daher leicht übersehen. Genau das macht sie gefährlich: Ohne Beschwerden gibt es keinen Anlass, zum Zahnarzt zu gehen – und die Karies schreitet unbemerkt fort. Typische Symptome, die mit fortschreitender Karies auftreten können, sind:
- weiße, kreidige oder später bräunlich bis dunkel verfärbte Flecken auf den Zähnen
- empfindliche Reaktionen auf Süßes, Saures, Kaltes oder Heißes
- ein spürbares Loch oder eine raue Stelle im Zahn
- Zahnschmerzen, die zunächst nur beim Kauen und später dauerhaft auftreten
- unangenehmer Mundgeruch oder ein schlechter Geschmack
Weil frühe Karies von außen kaum sichtbar ist, ist die zahnärztliche Kontrolle so wichtig. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin erkennt Karies bei der Untersuchung, mit speziellen Instrumenten und – gerade in den Zahnzwischenräumen – auf dem Röntgenbild oft schon, bevor Sie selbst etwas bemerken. So lässt sich auch feststellen, ob bereits mehrere Zähne betroffen sind und in welchem Stadium der Karies sich der jeweilige Zahn befindet. Empfohlen werden zwei Kontrolltermine pro Jahr.
Welche Folgen hat unbehandelte Karies?
Bleibt Karies unbehandelt, schädigt sie immer mehr Zahnsubstanz und dringt schließlich bis zum Nerv vor. Die Folge sind zunehmende Zahnschmerzen. Erreichen die Bakterien das Zahnmark, entzündet sich der Nerv, und es kann sich eine Zahnwurzelentzündung entwickeln. Von dort kann sich die Entzündung bis zur Wurzelspitze und in den Kieferknochen ausbreiten und einen Abszess bilden. Im schlimmsten Fall ist der Zahn nicht mehr zu retten und geht verloren. Was als kleiner Fleck begann, endet dann bei einer aufwendigen Wurzelbehandlung oder dem Verlust des Zahns. Sind mehrere Zähne gleichzeitig von fortgeschrittener Karies betroffen, steigt zudem das Risiko, dauerhaft Zahnersatz zu benötigen – ein weiterer Grund, Karies früh zu behandeln.
Behandlung: Wie wird Karies behandelt?
Wie Karies behandelt wird, hängt davon ab, wie weit sie fortgeschritten ist.
Im Anfangsstadium remineralisieren: Solange die Zahnoberfläche noch intakt ist (die „white spot"-Läsion), muss nicht gebohrt werden. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin kann die Stelle mit hochdosiertem Fluorid (Lack oder Gel) behandeln und so den Zahnschmelz remineralisieren. Zusammen mit gründlicher Mundhygiene lässt sich die Karies in diesem frühen Stadium der Karies auf diese Weise stoppen.
Bohren und Füllung: Ist bereits ein Loch entstanden, muss die zerstörte Zahnsubstanz entfernt werden. Der Zahnarzt trägt das kariöse Gewebe mit dem Bohrer ab und verschließt den entstandenen Hohlraum mit einer Füllung – meist aus zahnfarbenem Kunststoff (Komposit) oder Keramik. So wird der Zahn stabilisiert und vor weiteren Kariesbakterien geschützt. Bei einem stark zerstörten Backenzahn kann statt einer Füllung ein Inlay oder eine Teilkrone nötig sein, um die Kaufläche wiederherzustellen.
Bei fortgeschrittener Karies: Hat die fortgeschrittene Karies den Nerv erreicht, reicht eine Füllung nicht mehr aus. Dann ist in der Regel eine Wurzelbehandlung nötig, um den entzündeten Nerv zu entfernen und den Zahn zu erhalten. Ist zu viel Zahnsubstanz verloren, versorgt der Zahnarzt den Zahn anschließend oft mit einer Krone. Sind mehrere Zähne betroffen, wird ein Behandlungsplan erstellt, der die Zähne nach Dringlichkeit versorgt.
Vorbeugung: Wie kann man Karies vorbeugen?
Die gute Nachricht: Karies lässt sich zu einem großen Teil vorbeugen. Der Schlüssel ist eine konsequente Kariesprophylaxe, die den Zahnbelag regelmäßig entfernt und den Zahnschmelz stärkt.
- Zähneputzen zweimal täglich: Putzen Sie zweimal täglich – morgens und abends – gründlich für rund zwei Minuten. So entfernen Sie den Zahnbelag, bevor die Bakterien dauerhaft Säure bilden können.
- Fluorid nutzen: Verwenden Sie eine fluoridhaltige Zahnpasta. Fluorid härtet den Zahnschmelz, fördert die Remineralisierung und macht den Zahn widerstandsfähiger gegen Säure.
- Zahnzwischenräume reinigen: Reinigen Sie täglich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten – gerade dort entsteht Karies besonders häufig. Weitere Tipps finden Sie in unserem Ratgeber zur Zahnpflege.
- Zuckerarm ernähren: Reduzieren Sie Zucker und vermeiden Sie ständiges Naschen. Nicht die Menge allein, sondern die Häufigkeit beim Verzehr von Zucker ist entscheidend, weil dem Speichel sonst die Zeit zur Neutralisierung fehlt.
- Belag früh entfernen: Wie sich Zahnbelag bildet und entfernen lässt, lesen Sie unter Zahnbelag (Plaque). Eine professionelle Zahnreinigung ergänzt die häusliche Mundhygiene dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt.
- Regelmäßig zum Zahnarzt: Zwei Kontrolltermine pro Jahr helfen, Karies im Anfangsstadium zu erkennen, bevor Beschwerden entstehen.
Kariesprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen: Da vor allem bei Kindern und Jugendlichen die frisch durchgebrochenen bleibenden Zähne noch nicht vollständig ausgehärtet sind, ist ihr Kariesrisiko erhöht. Eine altersgerechte fluoridhaltige Zahnpasta, das begleitete Zähneputzen und eine Versiegelung der Fissuren an den Backenzähnen tragen dazu bei, dass diese Zähne gar nicht erst von Karies befallen werden.
Fazit
Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag aus Zucker Säure bilden und diese den Zahnschmelz angreift und schädigt. Weil diese Erkrankung der Zähne im Anfangsstadium schmerzlos verläuft, bleibt sie oft lange unbehandelt – und kann bis zum Nerv vordringen, Zahnschmerzen verursachen und mehrere Zähne gefährden. Die beste Strategie ist Vorbeugung: zweimal täglich putzen, eine fluoridhaltige Zahnpasta nutzen, Zahnzwischenräume reinigen, beim Verzehr von Zucker zurückhaltend sein und regelmäßig zum Zahnarzt oder zur Zahnärztin gehen. Wird Karies früh entdeckt, lässt sie sich mit Fluorid stoppen oder mit einer kleinen Füllung schonend behandeln.
Häufige Fragen zu Karies
Wie merkt man, ob man Karies hat?
Im Frühstadium merkt man Karies meist gar nicht, weil sie keine Symptome verursacht. Erste Anzeichen können weiße oder dunkle Flecken auf der Zahnoberfläche, empfindliche Reaktionen auf Süßes, Kaltes oder Heißes sowie ein spürbares Loch sein. Sicher erkennt Karies nur der Zahnarzt – oft schon auf dem Röntgenbild, bevor Sie selbst etwas bemerken.
Wie schnell muss Karies entfernt werden?
Karies sollte behandelt werden, sobald sie festgestellt wird, weil sie ohne Behandlung stetig fortschreitet. Ein akuter Notfall ist sie in der Regel nicht, doch je länger sie unbehandelt bleibt, desto tiefer dringt sie in die Zahnsubstanz vor. Im Anfangsstadium genügt oft Fluorid; ist ein Loch entstanden, ist zeitnah eine Füllung sinnvoll, bevor der Nerv betroffen ist.
Was ist der Grund für Karies?
Grund für Karies sind Bakterien im Zahnbelag, die Zucker aus der Nahrung zu Säure abbauen. Diese Säure entzieht dem Zahnschmelz Mineralien und zerstört ihn nach und nach. Begünstigt wird das durch häufigen Zuckerkonsum, mangelnde Mundhygiene und zu wenig Speichel. Vereinfacht gilt: Bakterien plus Zucker ergeben Säure, die den Zahn angreift.
Was soll man machen, wenn man Karies hat?
Wenn Sie Karies vermuten, sollten Sie einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren. Nur er kann beurteilen, wie weit die Karies fortgeschritten ist. Im Anfangsstadium lässt sie sich mit Fluorid remineralisieren, bei einem Loch mit einer Füllung versorgen. Bis zum Termin helfen gute Mundhygiene, Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und wenig Zucker, ein Fortschreiten zu bremsen.
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