Was ist eine Explantation?

Eine chirurgische Zahnimplantatentfernung bezeichnet man als Explantation. Dabei erfolgt die Herausnahme des Implantats aus dem Kieferknochen.

Zahnimplantate sind Metallstifte, die in der Regel aus Titan bestehen und als Ersatz für eine Zahnwurzel dienen. Im Anschluss an eine längere Abheilungsphase rekonstruiert der Zahnmediziner auf der behandelten Stelle Zahnersatz wie eine Zahnkrone oder Zahnbrücke.

In seltenen Fällen können sich bei diesem Vorgehen Bakterien in den behandelten Regionen ansiedeln, was wiederum zur Bildung von Plaque führt. Die Plaque, bei der es sich um einen Biofilm aus bakteriellen Abfallprodukten und Speiseresten handelt, ruft oftmals tiefe Zahntaschen hervor. Dadurch dringen weitere schädliche Bakterien in die Region des Implantats vor. Mitunter ist das betroffene Zahnimplantat nicht in der Lage, mit dem Knochen des Kiefers zu verwachsen, sodass eine chirurgische Entfernung, also eine Explantation, erfolgen muss. So drohen durch das Eindringen von Bakterien Entzündungen oder sogar Abszesse.

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Zahnimplantat entfernen

Die Entfernung eines Zahnimplantats ist nur selten erforderlich. Die Überlebensrate nach 5 Jahren liegt bei hohen 96,8 Prozent. Dabei verfügen Titanimplantate über die Eigenschaft, sich zu osseointegrieren, also mit dem Knochen zu verwachsen, und eine ankylotische Verbindung mit dem angrenzenden Kieferknochen einzugehen.

Mitunter muss das Zahnimplantat jedoch entfernt werden, weil zum Beispiel eine voranschreitende Periimplantitis (Zahnhalteapparat-Entzündung) besteht. Einen weiteren Grund für die Explantation stellen Beschädigungen des Implantats dar. Manche Patienten leiden auch unter Allergien gegen die Materialien, die sich in dem Zahnimplantat befinden. Durch die Entfernung des Implantats sollen zudem schlimmere Schäden vermieden werden.

Mitunter ist das Tragen eines Zahnimplantats von vornherein nur zeitweilig vorgesehen, um zum Beispiel eine kieferorthopädische Apparatur zu fixieren oder eine vorübergehende Zahnversorgung zu ermöglichen.

Welche Verfahren stehen für eine Explantation zur Verfügung?

Welche Verfahren stehen für eine Explantation zur Verfügung?

Die Extraktion

Ist das Zahnimplantat bereits locker, besteht die Option, es durch Herausdrehen zu entfernen. Zu diesem Zweck greift der Zahnarzt auf eine Frontzahn- oder Prämolarenzange oder auf eine Knochenzange nach Luer zurück, mit der er das Implantat fasst und behutsam herausdreht. Ein älteres Stahlimplantat lässt sich leichter herausdrehen als ein modernes osseointegriertes (mit dem Knochen verwachsenes) Titanimplantat, weil es normalerweise von Bindegewebe umgeben ist.

Eine weitere mögliche Methode des Herausdrehens besteht bei einem zweiteiligen Zahnimplantat mittels eines Drehmomentschlüssels. Dieses Instrument setzt der Zahnmediziner in das Implantat ein und dreht es mit Kraft heraus.

Auffräsen

Um ein osseointegriertes Zahnimplantat zu entfernen, kommt oft die sogenannte Lindemannfräse zur Anwendung. Dieses Verfahren hat allerdings den Nachteil, dass es zu umfangreichen Knochenverlust führt und angrenzende Bereiche in Mitleidenschaft ziehen kann. Dieser Umstand wirkt sich wiederum negativ auf eine Neuversorgung aus. Außerdem besteht das Risiko eines Knochendefekts.

Trepanfräse

Unter einer Trepanfräse wird ein zylinderförmiger Bohrer verstanden, der innen hohl ist. An seiner Frontseite ist er mit geschärften Zacken ausgestattet. Die Trepanfräse passt sich an den Durchmesser des Zahnimplantats an und bohrt um es herum. Ähnlich wie ein Rohr verläuft es senkrecht an dem Implantat entlang. Vor diesem Verfahren gilt es, bestehende Suprakonstruktionen wie eine Zahnkrone zu entfernen. Durch dieses Vorgehen lässt sich der Trepanbohrer an das Zahnimplantat ansetzen.

Zu den Pluspunkten der Trepanfräse zählt ein nur geringer Verlust an Knochensubstanz im Vergleich zum Einsatz einer Lindemannfräse. Je nachdem, über welchen Durchmesser das jeweilige Implantat verfügt, stehen verschiedene Weiten des Trepanbohrers zur Verfügung.

Laser-Explantation

Zu den minimal-invasiven Techniken gehört die lasergestützte Explantation. Dabei wird auf einen Erbium-YAG Laser zurückgegriffen. Die Laser-Explantation gilt als Alternative zu den mechanischen Verfahren.

Piezochirurgische Explantation

Ein weiteres Behandlungsverfahren ist die piezochirurgische Explantation. Ähnlich wie beim Entfernen von Zahnstein bearbeitet der Zahnmediziner den Knochen mithilfe von Schwingungen, mit denen er das Implantat abträgt. Dabei wird zunächst die Spitze am Piezogerät in Schwingung versetzt - eine ausreichende Kühlung ist hier zwingend erforderlich. Durch das Anwenden von leichtem Druck dringt die Spitze schrittweise weiter zum Apex des Zahnimplantats vor.

Ist das Entfernen des Zahnimplantats schmerzhaft?

Vor der Behandlung erhält der Patient selbstverständlich eine lokale Betäubung oder eine Narkose. Allerdings besteht die Gefahr, dass es zu Schmerzen kommt, wenn die Wirkung der Betäubungsmittel unzureichend ausfällt. Dieses Risiko ist vor allem dann vorhanden, wenn der Patient unter einer Entzündung leidet. So kann im Falle einer akuten Entzündung, die oft der Grund für die Explantation ist, eine örtliche Betäubung unzureichend sein, sodass eine umfangreichere Narkose erfolgen muss.

Schmerzen zeigen sich häufig nach dem Eingriff. So ist es bei der Explantation erforderlich, Weichteile aufzuschneiden und wieder zu vernähen. Darüber hinaus erfolgt das Entfernen eines größeren Kieferstücks. Im Anschluss an die Operation empfiehlt sich daher der Gebrauch von Schmerzmitteln.

Lässt sich nach der Explantation erneut ein Zahnimplantat einsetzen?

Lässt sich nach der Explantation erneut ein Zahnimplantat einsetzen?

Auch nach der Explantation eines Zahnimplantats besteht grundsätzlich die Option, ein weiteres Mal ein Implantat einzusetzen, was jedoch vom individuellen Fall abhängt. Während sich bei manchen Patienten schon unmittelbar nach der Entfernung ein neues Implantat einsetzen lässt, muss bei anderen erst der Knochen wiederaufgebaut werden, was durch Knochenersatzmaterial oder eigene Stoffe des Betroffenen geschieht.

Um eine weitere Entzündung zu verhindern, ist es jedoch wichtig, dass das neue Implantat frei von schädlichen Bakterien ist. Zu den entscheidenden Faktoren dazu gehört die konsequente Hygiene des Zahnarztes beim Einsetzen des Implantats. Der Patient hat die Möglichkeit, durch eine gründliche Mundhygiene ebenfalls zum Gelingen beitragen, wozu zum Beispiel die Verwendung von Zahnseide oder Interdentalraumbürsten gehört.

Wie hoch sind die Kosten für eine Explantation?

Wie viel eine Explantation letztlich kostet, richtet sich nach Dauer und Aufwand des Eingriffs. Während sich lockere Implantate aufgrund einer Periimplantitis einfach mit einer Zange entfernen lassen, wodurch die Kosten geringer ausfallen, ist bei anderen Explantationen das Fräsen aus dem Knochen erforderlich. Dazu benötigt der Operateur mehr Materialien und Arzneimittel, was wiederum den Preis steigert. Daher schwanken die Kosten für eine Explantation in der Regel zwischen 20 und 150 Euro.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Eingriff?

In Deutschland gibt es keine Abrechnungsposition für das Entfernen eines Zahnimplantats. Der Zahnarzt hat deswegen nicht die Möglichkeit, die Explantation über die Krankenkasse abzurechnen. Aus diesem Grund gelangt die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) zur Anwendung. Dabei handelt es sich um Privatrechnungen, die der Patient selbst tragen muss.

Bei privat versicherten Patienten besteht zumindest die Möglichkeit einer teilweisen Kostenerstattung durch die Krankenkasse, wenn die Implantate zu den Versicherungsleistungen gehören.