MKG ist die Abkürzung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Gemeint ist das medizinische Fachgebiet, das Erkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Tumoren im gesamten Gesichtsschädel operativ behandelt – vom einzelnen verlagerten Zahn bis zur Rekonstruktion nach einem Unfall.

Dieser Beitrag erklärt, was MKG-Chirurgie ist, was ein MKG-Chirurg macht, welche doppelte Ausbildung dahintersteht, wie sich das Fach von der Oralchirurgie abgrenzt und welche Eingriffe typisch sind.

Was bedeutet MKG?

Die drei Buchstaben stehen für die drei anatomischen Regionen des Fachgebiets:

  • M wie Mund – Mundhöhle, Zunge, Mundboden, Speicheldrüsen
  • K wie Kiefer – Ober- und Unterkiefer, Kiefergelenke, Zähne im Knochen
  • G wie Gesicht – Gesichtsschädel, Jochbein, Nasenbein, Augenhöhlen, Gesichtsweichteile

Die vollständige Berufsbezeichnung lautet Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. International und in der Fachliteratur findet sich außerdem der Begriff maxillofaziale Chirurgie, abgeleitet von maxilla für Oberkiefer und facies für Gesicht. Gemeint ist dasselbe Fachgebiet.

Was ist MKG-Chirurgie?

Die MKG-Chirurgie ist eine Schnittstellendisziplin zwischen Zahnmedizin und Humanmedizin – und das einzige Fachgebiet in Deutschland, für das beide Approbationen verpflichtend sind.

Das ist kein formaler Zufall, sondern folgt aus der Sache: Wer eine Kieferfehlstellung operiert, muss verstehen, wie die Zähne am Ende aufeinandertreffen sollen. Wer einen Tumor im Mundboden entfernt, braucht die Ausbildung eines Chirurgen. Die Kombination beider Perspektiven ist der Kern des Fachs.

Die Ausbildung eines MKG-Chirurgen

Der Weg zum MKG-Chirurgen ist der längste in der gesamten Zahn- und Humanmedizin:

  1. Studium der Zahnmedizin mit Approbation als Zahnarzt – etwa fünf Jahre
  2. Studium der Humanmedizin mit Approbation als Arzt – bei Anerkennung von Vorleistungen meist verkürzt
  3. Facharztweiterbildung in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – in der Regel fünf Jahre an einer Klinik
  4. Facharztprüfung vor der Landesärztekammer

Insgesamt kommen so leicht zwölf bis fünfzehn Jahre Ausbildung zusammen, bevor jemand als Facharzt für MKG-Chirurgie eigenständig tätig ist. Darauf können weitere Schwerpunkte aufbauen, etwa plastische und ästhetische Operationen im Kopf-Hals-Bereich.

Was macht ein MKG-Chirurg?

Das Behandlungsspektrum ist breiter als in jedem anderen zahnmedizinisch verwandten Fach.

Dysgnathiechirurgie: Kieferfehlstellungen

Wenn Ober- und Unterkiefer nicht zusammenpassen und eine kieferorthopädische Behandlung allein nicht ausreicht, werden die Kiefer operativ verlagert. Typische Anlässe sind ein deutlicher Rück- oder Vorbiss, ein offener Biss oder eine ausgeprägte Gesichtsasymmetrie. Solche Eingriffe verbessern nicht nur das Aussehen, sondern vor allem Kaufunktion, Sprache und Atmung – bei obstruktiver Schlafapnoe ist die Kieferverlagerung eine anerkannte Therapieoption.

Traumatologie: Verletzungen

Brüche von Unterkiefer, Jochbein, Nasenbein oder Augenhöhlenboden nach Unfällen und Stürzen werden reponiert und mit Platten und Schrauben stabilisiert. Auch komplexe Weichteilverletzungen im Gesicht gehören hierher.

Tumorchirurgie

Gutartige und bösartige Tumoren in Mundhöhle, Kiefer, Speicheldrüsen und Gesichtshaut werden entfernt und der Defekt anschließend rekonstruiert – häufig mit körpereigenem Gewebe. Die Früherkennung von Mundhöhlenkarzinomen ist ein Schwerpunkt des Fachs.

Fehlbildungschirurgie

Die operative Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten erfolgt in mehreren Schritten über die Kindheit hinweg und wird interdisziplinär mit Kieferorthopädie, Logopädie und HNO abgestimmt.

Implantologie und Knochenaufbau

Auch anspruchsvolle implantologische Fälle gehören zum Fach: stark abgebaute Kiefer, Zygoma-Implantate im Jochbein, große Augmentationen mit Knochen aus Beckenkamm oder Schädeldach.

Kiefergelenk und Entzündungen

Behandlung von Kiefergelenkerkrankungen, ausgedehnten Abszessen, Kieferknochenentzündungen und Kiefernekrosen unter Bisphosphonat-Therapie.

MKG-Chirurgie oder Oralchirurgie: der Unterschied

OralchirurgieMKG-Chirurgie
AusbildungZahnmedizin + 4 Jahre WeiterbildungZahnmedizin und Humanmedizin + 5 Jahre Facharztweiterbildung
TitelFachzahnarztFacharzt
BehandlungsgebietMundhöhle und Zahn tragender Kiefergesamter Gesichtsschädel und Hals
Typische EingriffeWeisheitszähne, Implantate, Augmentation, WSRKieferverlagerung, Frakturen, Tumoren, Fehlbildungen
Versorgungsformüberwiegend ambulant in der Praxisambulant und stationär, oft an einer Klinik

Für die Praxis heißt das: Ein verlagerter Weisheitszahn oder ein Implantat mit Knochenaufbau ist ein Fall für die Oralchirurgie. Eine Kieferfehlstellung, ein Gesichtsbruch oder ein Tumor gehört in die MKG-Chirurgie. Die Fachgebiete überschneiden sich in der Mitte – bei Implantaten, Weisheitszähnen und Zysten arbeiten beide.

Wie eine MKG-OP abläuft

Eine MKG-OP beginnt mit ausführlicher Diagnostik: klinische Untersuchung, Röntgen, DVT oder CT, bei Kieferverlagerungen zusätzlich Modellanalyse und dreidimensionale Operationsplanung am Computer. Aus dieser Planung entstehen individuelle Schablonen, mit denen die Kiefer im Operationssaal exakt in die geplante Position gebracht werden.

Kleinere Eingriffe erfolgen ambulant in örtlicher Betäubung. Größere Operationen finden in Vollnarkose statt, mit einem stationären Aufenthalt von wenigen Tagen bis etwa einer Woche. Bei Kieferverlagerungen schließt sich eine kieferorthopädische Nachbehandlung über mehrere Monate an.

Heilung und Nachsorge nach einer MKG-Operation

Der Gesichtsschädel ist stark durchblutet. Das ist ein Vorteil, weil Wunden dort vergleichsweise schnell heilen, und ein Nachteil, weil Schwellungen ausgeprägter ausfallen als anderswo am Körper. Nach einer größeren Kieferoperation erreicht die Schwellung typischerweise am zweiten bis dritten Tag ihren Höhepunkt und geht danach über ein bis zwei Wochen deutlich zurück. Kühlung, eine erhöhte Lagerung des Kopfes und die konsequente Einnahme der verordneten Medikamente verkürzen diese Phase spürbar.

In den ersten Wochen ist die Ernährung angepasst: zunächst flüssig, dann weich, erst nach mehreren Wochen wieder normal. Bei Kieferverlagerungen sichern kleine Titanplatten die neue Position, sodass der Kiefer heute in der Regel nicht mehr fest verdrahtet werden muss. Die knöcherne Durchbauung dauert dennoch etwa sechs bis zwölf Wochen, in denen harte Speisen und Kontaktsport tabu sind. Gefühlsstörungen an Unterlippe oder Kinn kommen nach Unterkiefereingriffen vor, weil der Nervus alveolaris inferior direkt im Operationsgebiet verläuft; sie bilden sich meist über Wochen bis Monate zurück.

Rauchen verzögert die Wundheilung im Mund erheblich und erhöht das Risiko für Wundinfektionen und Materialkomplikationen. Ein Rauchstopp einige Wochen vor und nach dem Eingriff gehört deshalb zu den wirksamsten Maßnahmen, die Patientinnen und Patienten selbst beitragen können.

Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen

MKG-Chirurgie ist selten ein Alleingang. Bei Kieferfehlstellungen plant der MKG-Chirurg gemeinsam mit der Kieferorthopädie: Die Zähne werden vor der Operation ausgeformt, die Kiefer anschließend chirurgisch verlagert, danach folgt die kieferorthopädische Feineinstellung. Bei Tumoren arbeitet das Fachgebiet im interdisziplinären Tumorboard mit Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie zusammen. Bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten kommen Logopädie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kinderheilkunde hinzu, weil Sprache, Gehör und Ernährung mitbetroffen sind.

Für die zahnärztliche Praxis bedeutet das: Der MKG-Chirurg ersetzt die Hauszahnarztpraxis nicht, sondern übernimmt einen abgegrenzten Teil der Behandlung. Nach Abschluss des chirurgischen Abschnitts geht die Betreuung zurück in die überweisende Praxis, die prothetische Versorgung, Prophylaxe und Kontrollen weiterführt.

Was eine MKG-Behandlung kostet

Medizinisch notwendige Eingriffe – Frakturen, Tumoroperationen, ausgeprägte Dysgnathien, Spaltchirurgie, Entzündungen – sind Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und werden übernommen. Bei Kieferverlagerungen prüft die Kasse die Indikation anhand definierter Abweichungswerte; der Antrag wird vom MKG-Chirurgen gemeinsam mit der Kieferorthopädie gestellt. Rein ästhetisch motivierte Eingriffe sowie Implantate und Knochenaufbauten sind dagegen in der Regel privat zu tragen. Ein schriftlicher Heil- und Kostenplan vor Behandlungsbeginn schafft hier Klarheit.

Wann Sie zum MKG-Chirurgen überwiesen werden

  • ausgeprägte Kieferfehlstellung, die kieferorthopädisch allein nicht korrigierbar ist
  • Verdacht auf einen Tumor oder eine nicht abheilende Schleimhautveränderung
  • Gesichts- oder Kieferfraktur nach einem Unfall
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
  • ausgedehnte Abszesse oder Kieferknochenentzündungen
  • Kiefergelenkbeschwerden, die konservativ nicht besser werden
  • Implantatversorgung bei stark abgebautem Kiefer
  • obstruktive Schlafapnoe mit Indikation zur Kieferverlagerung

Häufige Fragen

Wofür steht die Abkürzung MKG?

MKG steht für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Die vollständige Berufsbezeichnung lautet Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Was ist MKG-Chirurgie?

Das medizinische Fachgebiet, das Erkrankungen, Verletzungen, Fehlbildungen und Tumoren im Bereich von Mund, Kiefer und Gesicht operativ behandelt. Es verbindet Zahnmedizin und Humanmedizin.

Was macht ein MKG-Chirurg?

Er operiert Kieferfehlstellungen, versorgt Gesichts- und Kieferbrüche, entfernt Tumoren, behandelt Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, setzt Implantate bei schwierigen Knochenverhältnissen und behandelt schwere Entzündungen im Kopf-Hals-Bereich.

Was ist der Unterschied zwischen MKG-Chirurg und Oralchirurg?

Der MKG-Chirurg hat Zahnmedizin und Humanmedizin studiert und darf im gesamten Gesichtsschädel operieren. Der Oralchirurg ist Fachzahnarzt und operiert innerhalb der Mundhöhle und des Kiefers.

Wie lange dauert die Ausbildung zum MKG-Chirurgen?

Insgesamt meist zwölf bis fünfzehn Jahre: Studium der Zahnmedizin, Studium der Humanmedizin und anschließend rund fünf Jahre Facharztweiterbildung.

Was bedeutet maxillofaziale Chirurgie?

Das ist der internationale Begriff für dasselbe Fachgebiet, abgeleitet von maxilla für Oberkiefer und facies für Gesicht.

Übernimmt die Krankenkasse eine MKG-Operation?

Medizinisch notwendige Eingriffe – Frakturen, Tumoren, Fehlbildungen, funktionell begründete Kieferverlagerungen – werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Rein ästhetisch motivierte Eingriffe nicht.

Brauche ich eine Überweisung zum MKG-Chirurgen?

In der Regel ja, meist vom Zahnarzt, Kieferorthopäden oder Hausarzt. Die Überweisung sorgt außerdem dafür, dass Befunde und Bildgebung vorliegen.

Fachlich geprüft: Dieser Beitrag ist vor Veröffentlichung von einer Ärztin oder einem Arzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie aus dem Netzwerk der Leading Implant Centers gegenzulesen und mit Name, Fachtitel und Prüfdatum zu kennzeichnen.

Quellen

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