Korrekturen an der Menschheitsgeschichte

In Europa und den USA wurde bis vor kurzem nie ein Homo sapiens Knochen gefunden, der älter als 60.000 Jahre ist. Weil sich die Spuren der Neandertaler ab diesem Zeitpunkt immer weiter verringern und die Hinweise für kulturelle Innovationen des Homo sapiens sich häufen, gingen Anthropologen und Archäologen bisher davon aus, dass der Homo sapiens Afrikas Grenzen vor etwa 60.000 Jahren überschritten haben muss. Zahnfunde aus China beweisen nun, dass das tropische Asien deutlich früher vom afrikanischen Homo sapiens besiedelt wurde, als angenommen. Die Zähne konnten eindeutig dem Homo sapiens zugeschrieben werden und sind rund 180.000 Jahre alt. Auch in einer israelischen Höhle wurden 2018 rund 180.000 Jahre alte Oberkieferknochen von zwei menschlichen Individuen gefunden.

Fünf Fakten über die Ernährung und damit auch über den Zustand der Zähne von Menschen aus der Steinzeit:

  • Der Homo Sapiens breitete sich lange vor dem ursprünglich angenommenen Zeitraum vor 60.000 Jahren nach Asien aus
  • Zahnkrankheiten wie Karies und Parodontose gibt es seit über 15.000 Jahren
  • Das Kochen von Nahrung und der Ackerbau begünstigten Mundfäulnis weiter
  • Rund 90 % der frühen Menschen litten an teilweise schwerem Kariesbefall

Was ist im Zahn zu sehen?

Mittels moderner Isotopenanalyse können Forscher zahlreiche Rückschlüsse über das Individuum und seine Lebensweise ziehen. Die Isotopen-Zusammensetzung eines Zahns gibt Aufschluss über die geologische Herkunft und die Ernährung des Menschen. Zahn-Isotopen werden von Müttern an ihre Kinder weitergegeben und verändern sich im Gegensatz zu den Isotopen im restlichen Körper nicht. Ein ausgegrabener Zahn gibt deshalb weitaus mehr Aufschluss auf das Migrationsverhalten einer Gruppe als ein Fossil. Ein weiterer Hinweis auf die Lebensweise eines ausgegrabenen Individuums ist der Kariesbefall. Je mehr Zahnprobleme sich finden lassen, desto mehr Agrarwirtschaft und Kultivierung von zuckerhaltigen Pflanzen ist anzunehmen. Die Menschheitsgeschichte ist demnach noch lange nicht zu Ende geschrieben und erhält dank gut erhaltener archäologischer Funde und der Isotopen-Analyse von Fossilien ständig feine Korrekturen, die in die Schulbücher übernommen werden müssen.

Das erzählen Zähne über die Menschheitsgeschichte:

  • Jede Biosphäre hat ihre eigene Isotopenzusammensetzung, die sich in Zähnen ablesen lässt
  • Über die Nahrung nehmen weibliche Individuen Isotope aus verschiedenen Regionen auf und geben diese an ihre Kinder weiter
  • Je stärker die Isotopie eines Individuums von der lokalen Fundstelle eines Fossils abweicht, desto weiter ist das Individuum migriert